Rückkehr der europäischen Bankenkrise droht

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Überall in Europa kämpfen Banken gegen niedrige Zinsen und faule Kredite. Vor allem für Portugals Banken drohte es schon kurzfristig gefährlich zu werden, wäre das Land am Freitag endgültig auf Ramsch gestuft worden.

bankenkrise-24102016Nicht nur Deutschland hat Probleme mit seinen Banken. Vor allem instabile Geldinstitute in den Peripherieländern wie Portugal und Italien werden nun umso härter von den andauernd niedrigen Zinsen getroffen. Das Problem: nicht nur die Niedrigzinsen drücken auf die Margen, sondern auch die faulen Kredite der Banken belasten deren Bilanzen. Portugal denkt nun offenbar darüber nach, eine Art Bad Bank für seine angeschlagenen Institute zu gründen.

Als Vorbild für das Modell könnte Italien dienen. Dort wurde im Frühjahr, als Banken wie die traditionsreiche Monte dei Paschi in die Krise stürzten, ein Rettungsfonds mit Beteiligung privater Investoren aufgelegt.

An so einer Lösung ohne Beteiligung des Staates arbeitet offenbar auch die Portugiesische Regierung. Finanzminister Mario Centeno erklärte in der vergangenen Woche in Washington, man würde an einem Paket arbeiten, welches es den Banken leichter macht, ihre faulen Kredite loszuwerden.

Zuletzt kritisierte der Internationale Währungsfonds (IWF) wiederholt, die europäischen Banken seien ein Risiko für das Finanzsystem, weil sie weiterhin nicht stabil genug sind. Der Fonds erklärte gar, ein Drittel der Institute sei nicht überlebensfähig. In ihrem Stabilitätsbericht verweisen die Washingtoner Ökonomen explizit auf die Banken Italiens und Portugals, deren Lage kritisch ist. Das gilt allerdings auch für andere Länder, wie unsere Übersicht zeigt:

Portugal

Laut der Europäischen Zentralbank gehört Portugal zu den Ländern, bei denen der Anteil fauler Kredite der Banken weit mehr als zehn Prozent beträgt. Rund 30 Milliarden Euro an faulen Krediten haben die Banken in ihren Büchern, dass sind rund 16 Prozent aller Darlehen.

Sorgen bereitet weiterhin vor allem die Novo Banco, die einst zweitgrößte Bank Portugals. Die Bank gehört mittlerweile zum öffentlichen Abwicklungsfonds, ein Käufer für das Institut wird gesucht, bis Ende August 2017 muss der Deal abgeschlossen sein. Derzeit gibt es mehrere Interessenten, darunter der chinesische Investor China Minsheng Financial Holding.

Dramatisch hätte die Lage für Portugals Banken vor allem dann werden können, wenn die kanadische Ratingagentur DBRS am Freitag bei der Bekanntgabe ihres neuen Ratings für Portugal das Land herabgestuft hätte. Hätte die Agentur das Rating auf Schrott gesenkt, so wie es andere Bonitätsprüfer wie Moody’s oder S&P schon getan haben, wäre das fatal für die Banken geworden. Sie hätten sich dann nicht mehr regulär bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren können, da die Notenbank portugiesische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit anerkennen dürfte.

Zugleich dürfte die EZB portugiesische Staatsanleihen im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms nicht mehr aufkaufen. Stattdessen müssten die portugiesischen Institute dann auf die sogenannten ELA-Notkredite zurückgreifen, welche die nationale Notenbank in solchen Fällen gewähren darf.

Diesem Übel ist Portugal allerdings vorerst entkommen: DBRS bekräftigte ihre Einstufung für das Land und auch den Ausblick. Darin spiegele sich der Fortschritt wider, den die Regierung bei der Verringerung des Haushaltsdefizits gemacht habe, hieß es zur Begründung am Freitagabend.

Das Thema ist brisant: Rund 60 Milliarden Euro haben die Banken in ihre heimischen Staatsanleihen investiert. Kein Wunder, dass über ein zweites Rettungspaket für Portugal spekuliert wird. Eine Bad Bank ist vermutlich keine schlechte Idee.

Italien

In Italien wurde der Bankensektor schon im Sommer von der Krise erschüttert, allen voran die traditionsreiche Banca Monte dei Paschi. Anfang Juli erhielt die Bank einen Brief von der EZB, in dem die Bankenaufseher dringend den Abbau fauler Kredite einforderten. Immerhin 41 Prozent aller Darlehen waren zu dem Zeitpunkt ausfallgefährdet. Am Montag soll nun ein Rettungsplan für die älteste Bank der Welt beschlossen werden. Ziel ist eine Kapitalerhöhung um fünf Milliarden Euro und der Verkauf von faulen Krediten im Wert von 28 Milliarden Euro.

In Banken regiert der Rotstift

Der italienische Bankenrettungsfonds Atlante will sich aber offenbar nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen. Auch Staatshilfe wurde wiederholt ausgeschlossen. „Maßnahmen für staatliche Unterstützung oder eine Verstaatlichung sind nicht vorgesehen“, sagte Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan.

Auch andere italienische Banken müssen ihr Kapital aufbessern. Bei der UniCredit wird nicht nur über einen Börsengang der deutschen Tochter HVB nachgedacht. Derzeit verhandelt die Großbank mit dem polnischen Versicherer PZU über einen Verkauf ihrer polnischen Tochter Bank Pekao. Ob es zu einer Einigung kommt, ist allerdings unklar. Zuletzt hieß es, bei einer Kapitalerhöhung könnte die Bank bis zu 13 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital anstreben. Im Dezember will die Bank ihre Pläne bei einem Investorentag vorstellen. Die Pläne sind ambitioniert, denn an der Börse war die Unicredit zuletzt nur mit etwas mehr als 13,3 Milliarden Euro bewertet.

Zwei andere Institute sind schon weiter, denn mittlerweile steht fest, dass die Banca Popolare di Milano und die Banco Popolare fusionieren werden. Mit seinen Reformen hatte Ministerpräsident Matteo Renzi solche Zusammenschlüsse ermöglicht. Die neue Großbank will vor allem Kosten senken, rund 1800 der insgesamt 25.000 Stellen könnten wegfallen.

Spanien

Auch in Spanien denkt man darüber nach, wie die beiden verstaatlichten Großbanken Bankia und Banco Mare Nostrum wieder stabiler werden können. Im Gespräch ist demnach eine Verschmelzung der beiden Institute. Seit der Schuldenkrise hält der Staat jeweils 65 Prozent an den beiden Banken. Großes Problem der spanischen Banken ist weiterhin der hohe Anteil an ausfallgefährdeten Immobilienkrediten, den die Institute in ihren Büchern haben. Laut Befragungen sind das in Spanien rund 60 Prozent der Darlehen. Knapp ein Fünftel davon seien sogar „ernsthaft gefährdet“, ergab eine KPMG-Umfrage.

Ähnlich wie in Deutschland wird auch in Spanien der Rotstift angesetzt. Bei der Banco Popular sollen rund 3000 Jobs gestrichen werden, rund ein Fünftel aller Stellen. Beim Stresstest der Bankenaufseher im Sommer rangierte das Institut wie die Deutsche Bank und die Commerzbank unter den schlechtesten zehn Banken.

Was beim Blick ins Ausland auffällt: Stellenstreichungen und der Kampf gegen sinkende Erträge stehen bei allen Banken auf der Agenda. Auch Fusionen gehören immer mehr zum Alltag in Europas Bankenwelt. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis große Fusionen auch in Deutschland wieder Thema sind.

Bernd M. Schmid (Finanz Punk)


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