Warum halten wir die Banken für heilige Kirchen?

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Der ehemalige isländische Präsident Olafur Ragnar fordert die Europäer auf, sich nicht vor einem Ende mit Schrecken in der Schuldenkrise zu fürchten. Grimson ist sogar der Auffassung, dass man Banken ohne weiteres pleitegehen lassen kann. Bereits im Jahre 2013 – damals noch isländischer Präsident – auf dem Weltwirtschaftsgipfel erklärte Grimson in einem Fernseh-Interview, Banken sollten nicht anders behandelt werden als Fluglinien oder Telekommunikations-Unternehmen. Wenn sie Mist bauen, müssen sie in die Insolvenz geschickt werden. Es sei nicht einzusehen, dass die Bank-Manager in guten Zeiten die Boni einstreichen, und wenn es schlecht läuft,  die Steuerzahler bezahlen müssten. »Warum halten wir die Banken für heilige Kirchen?« fragt der isländische Präsident.

Island habe sich von der orthodoxen Wirtschaftspolitik der vergangenen 30 Jahre verabschiedet und sich entschlossen, die Krise mit einem Ende mit Schrecken zu beenden. Doch gar so schrecklich sei das Ganze nicht gewesen. Als Folge der radikalen Maßnahmen wie Bankeninsolvenzen und sogar strafrechtlichen Verurteilungen von Politikern erlebe sein Land nun wieder eine Wachstumsphase.

Laut Grimson sei sogar die radikale Beschneidung der Bankenmacht dafür zuständig, dass insbesondere der Technologiesektor im Land blühe. Der Grund sei, dass die Banken für ihre komplizierten und volkswirtschaftlich schädlichen Finanzprodukte die besten Mathematiker und Programmierer mit hohen Gehältern aus der Realwirtschaft gelockt hätten. Nun seien die besten Köpfe des Landes wieder dort tätig, wo sie den Bürgern am meisten nützen, nämlich in der Realwirtschaft, wo sie für Innovation und Dynamik sorgten.

Diese Gedanken scheinen in Deutschlands Politikerköpfen kaum verbreitet. Hier wird alles getan, um die Finanzinstitute von ihren Risiken zu befreien. Auch Mario Draghi, Chef der EZB, denkt ebenso: »Die Lage an den Finanzmärkten hat sich durch die EZB-Politik des billigen Geldes und die Injektion von rund einer Billion Euro in den Bankensektor wesentlich gebessert«. So, in den Bankensektor wurde das Geld gepumpt? Was ist das? Druckbetankung der Banken? Das Geld für die Banken landet eben nicht in der Realwirtschaft, sondern fließt in die Finanzkasinos ab. Mit ihm wird spekuliert, weil das viel mehr Gewinne verspricht. Nebenbei werden so zukünftige Finanzblasen produziert.

Bernd M. Schmid (Finanz Punk)


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Ein Kommentar zu Warum halten wir die Banken für heilige Kirchen?

  1. gunter wohlgenannt sagt:

    Ich kann nur unterstreichen, was Grimson sagt: die Banken, die insolvent sind, müssen abgewickelt werden. Der Staat sollte eine allen Bürgern zugängliche Bank unterhalten, die garantiert, dass auch der kleine Bürger die wichtgsten Alltagsgeschäfte darüber abwickeln kann und zwar zu erträglichen Gebühren. Damit hätte auch das Spesenkarussell der Banken ein Ende.

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